Pflegeheime in der Kritik

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Pflegeheime in der Kritik

Hier möchten wir gesondert auf die Kritik bei der Unterbringung in Pflegeheime zusammenfassend eingehen (Beitrag vom ZDF vom 21.01.2015). Altenheime stehen schon länger in der Kritik, dass eine Pflege der dort unterbetrachten Menschen nur unzureichend stattfindet, so lautet der Vorwurf. Wir wollen die häufigsten Kritikpunkte zusammenfassend darlegen um eine reale Sichtweise zu ermöglichen warum Pflegeheime in der Kritik stehen. Um es vorweg zu nehmen - es gibt auch wenige gute Pflegeheime, doch die Missstände nehmen zu.

Vorwurf 1: - In Pflegeheimen wird auf Kosten der älteren Menschen gespart

Eine Befragung von Pflegern ergab dass an allen Ecken und Enden zu Lasten älterer Menschen gespart wird. Beispielsweise wird berichtet, dass bei Handtüchern gespart wird und nach dem Duschen die Senioren mit Bettlaken oder Tischdecken abgetrocknet werden. Wird eine Handtuschwäsche täglichen Dusche gespart, und ist diese mit einem Euro Reinigung zu veranschlagen, so gibt das bei 70 Heimbewohnern im Jahr (365) ein Betrag von 25.550€ zusätzlichen Gewinns.Als zweites Beispiel dürften bei vielen Heimen die Windeln erst gewechselt werden wenn dies randvoll sind. Der zusätzliche Gewinn durch Sparen am Wechsel der Windel kann sich jeder vorstellen. Mit dem vorhandenen  Geld das für den Aufenthalt in Pflegeheimen gezahlt wird, findet bewusst keine optimale Pflege statt.

Vorwurf 2: Die Vergütungsregelungen

Die Pflege von hilfsbedürftigen Menschen in Pflegeheimen wird nach dem Minutentakt abgerechnet. Das ist vom Gesetzgeber so vorgesehen. Wer auf der Toilette länger als 2 Minuten braucht muss rein rechnerisch beim Duschen dies Zeitüberschreitung wieder hereinholen. Das ist eine Pflege nach dem Stoppuhr Prinzip. Auf den individuellen Zeitfaktor bei älteren Menschen mit  körperlichen Einschränkungen kann dabei nicht eingegangen werden. Es mag Senioren geben die einen Toilettengang innerhalb von 2 Minuten hinbekommen aber jeder Mensch und besonders ältere, gebrechliche Menschen sind unterschiedlich. Viele sprechen hier von Menschenrechtsverletzungen die in den allermeisten Pflegeheimen stattfinden. Auslöser sind die Vergütungsregelungen die Pflegeheime in die Kritik bringen.

Vorwurf 3: Der Pflege TÜV mit Notenvergabe

Einmal im Jahr wird jedes Heim kontrollier und ein sog. Pflege TÜV erstellt. Auch dadurch sind Pflegeheime in der Kritik. Der Kritikpunkt dabei ist, dass Akten und deren Vermerke, sprich Dokumentation stärker und strenger begutachtet werden, als die eigentliche Pflegeleistung des Personals an den Senioren.Folgendes Beispiel verdeutlicht diesen Sachverhalt:Ist ein Heimbewohner beispielsweise wund gelegen, kann das Heim dennoch eine sehr gute Note erhalten, wenn das "Wund Liegen" entsprechend dokumentiert wurde und die Dokumentationsleistung dabei bewertet wird. Werden in anderen Heimen die Senioren so gepflegt dass keiner "wundgelegen"  können diese Heime dennoch eine schlechte Bewertung erhalten und zwar dann, wenn ein Dokumentationsvermerkt zu diesem Umstand in den Akten fehlt, da dieser ja nicht notwendig wäre. Laut Pflegeexperten führt das dazu, dass Heime mit guter Bewertung oft die schlechtesten sind.Laut Aussage vieler, wurde das System des Pflege Tüv von der Pflegebrache selbst entwickelt. Diejenigen die benotet werden, waren an diesem System beteiligt. Eine gute Dokumentation führt dadurch trotz schlechter Pflegeleistung zu einem guten Gesamturteil. Weniger Dokumentation hingegen und mehr Zeit für die Betroffenen Senioren führen zu einer schlechteren Benotung. Hier ist man nicht weit weg von einer Dokumentationsfälschung. Weniger Dokumentation und mehr Zeit für die Pflegebedürftigen wäre hier das Mittel der Wahl. Die Dokumentationsaufgaben schmälern die Zeit von Pflegern für die eigentliche Pflege von älteren Menschen. Man sollte sich nicht von Hochglanzprospekten täuschen lassen und es herrscht in vielen Pflegeheimen oft eine Hospizkultur bei der die älteren Menschen bereits abgeschrieben sind, so der Vorwurf.

Vorwurf 4: Der Personalschlüssel

Laut Gesetz reicht in vielen Bundesländern eine einzige Pflegekraft für 50 Heimbewohner aus um dem Personalschlüssel gerecht zu werden. Laut Aussagen vieler Heimleiter gehört dies verboten und es handelt sich um Menschenrechtsverstöße. Das System verhindert dadurch systematisch eine gute Pflege. Beim Personalschlüssel handelt es sich um einen Systemfehler bei dem alle mitverdienen und alle schweigen. Wer dennoch als Pfleger Kritik am System übt, gilt als Nestbeschmutzer und ist Mobbing Attacken ausgesetzt. Pflegekräfte haben oft Angst über die Wahrheit zu sprechen um den Arbeitsplatz nicht zu verlieren.

Vorwurf 5: Verstärktes Engagement von Finanzinvestoren -  Was man auch wissen sollte !

Es werden immer mehr Pflegeheime verteilt über ganz Deutschland mit immensen Investitionen gebaut. Das wäre zunächst einmal eine gute Nachricht. Jedoch sind Pflegeheime, Altenheime und artverwandte Einrichtungen stark gewinnorientiere Einrichtungen. So ist beispielsweise die Curanum AG mit insgesamt über 13.000 Pflegeplätzen europäischer Marktführer. Die bisherige Pro Seniore Einrichtung mit etwas über 10.000 Pflegeplätzen ist nur noch auf Platz 2 und ist Teil der Victor´s Bau & Wert AG. Platz 3 belegt die CASA REHA Holding GmbH mit 9.000 Pflegeplätzen. Und alle wollen Sie maximalen Gewinn erzielen.Bei den Finanzinvestoren übernahm der französische Finanzinvestor Chequers Capital im Jahre 2013 die Mehrheit an der Deutschen Fachpflege Holding GmbH. Chequers Capital hält auch die Mehrheit der Münchner Silver Care Holding GmbH mit 53 Einrichtungen und 5.200 Pflegeplätzen. Im Portfolio des Investors Advent steht die Klinikkette Median und zwei Pflegeheime in Baden-Württemberg. Auch ein amerikanischer Investor namens Carlyle wollte sich mit der Übernahme von 49 Einrichtungen vom britischem Investor Star Capital Partners einen Marktanteil auf dem deutschen Markt sichern.

Investoren haben aber nicht die optimale Pflege von Menschen als allererstes Ziel im Auge, sondern die Gewinnmaximierung, die Maximierung der Vorstandsgehälter und die Maximierung von Renditen der jeweiligen Aktionäre. Dies sind nur einige wenige Beispiele wie der Markt sich entwickelt und sich weiter entwickelt wird. Ältere Menschen haben keine Lobby und stellen ein ideales Geschäftsumfeld dar, mit im Vergleich zu vielen anderen Branchen maximalen Renditenaussichten. Fragen sie sich jetzt woher das Geld kommt? Einnahmen minus Ausgaben ist gleich der Gewinn - vereinfacht ausgedrückt. Die Einnahmen resultieren aus den steigenden Kosten für ein Pflegeheim und die Ausgabenminimierung wurde im Beitrag bereits exemplarisch dargelegt.Etliche Bundesminister der letzten Jahre, haben in den jeweilig amtierenden Bundesregierungen erfolglos versucht, eine umfassende Pflegereform auf den Weg zu bringen. Daran wird sich wohl auch in den nächsten Jahren wenig ändern.Die Überlegung, im Betreuungsfall lieber eine polnische 24h Haushaltshilfe in Anspruch zu nehmen ist sicherlich die ehrlichere und bessere Form einer guten Alten- bzw. Seniorenbetreuung in den eigenen 4 Wänden.

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